Akolythen
Mit Salz und Raspelzunge
Vier Akolythen und die Aufgabe, ein Amulett aus dem muffigen Sith-Grab zu holen. Kein Problem, oder?
Sie standen vor dem Eingang. Hinter ihnen die brennend helle Wüste Korribans, vor ihnen die muffige Dunkelheit des Grabes.
„Wenigstens ist es kühl,“ meinte Vargas schulterzuckend und betrat den Eingang.
Die anderen drei schauten sich noch einmal an und folgten ihm in die Dunkelheit. Scheppernd schloss sich das Eingangstor hinter ihnen. Nizara zuckte bei dem Geräusch merklich zusammen.
Krenare holte die Lampe aus ihrer Gürteltasche. „Also los jetzt. So ungewöhnlich ist es jetzt auch nicht, dass…“
Flackernd erwachte die Beleuchtung des Raumes und tauchte die vier Akolythen in schummriges, oranges Licht. Weitere Räume wurden in dem traurigen Glanz erkennbar.
Die Sith steckte ihre Lampe zurück an den Gürtel und zog stattdessen das Trainingsschwert. Aiden hatte seins gar nicht erst aus der Hand genommen und schritt zügig vor in Richtung des nächsten Raumes.
„Äh, sollten wir nicht zuerst eine Taktik besprechen? Nur falls hier Fallen sind oder so…“
„Ni,“ Aiden blieb im Torbogen stehen und wandte sich ihr zu, „du schaust zu viele Holofilme.“
Krenare legte ihr die freie Hand auf die Schulter: „und wenn es diesen Holzkopf erwischt, ist das kein großer Verlust.“
Vargas grinste und rief sich die Karte auf. „Aiden, dann treffen wir uns im Artefaktraum.“ Er ging zielstrebig zu der westlichen Wand und untersuchte sie. Nizara holte den Leuchtglobus aus ihrer viel zu großen Tasche und widmete sich ebenfalls den Verzierungen der Wand.
„Was?!“ Aiden stapfte die drei Räume zurück bis er wieder bei den anderen in der Eingangshalle war. „Was soll an der Wand jetzt so toll sein? Wenn wir uns nicht beeilen, sind die anderen vor uns da!“
Krenare ignorierte den Rattataki und schaute sich wachsam um, während Vargas und Ni die Wand absuchten.
„Im Archiv stand etwas von einem Geheimgang, der uns direkt vor den Artefaktraum bringt, ohne dass wir uns durch das Labyrinth kämpfen müssen,“ erläuterte Nizara, „und daher haben Vargas und ich uns so lange durch das Archiv gewühlt, bis wir eine Karte gefunden haben.“
„Die haben ne Karte von diesen ganzen scheiß Gräbern?! Ne öffentliche Karte?“ regte sich Aiden auf und fuchtelte wild mit dem Schwert in der Luft.
„Naja,“ erwiderte die Menschenfrau ohne den Blick von der Wand zu nehmen, „vielleicht nicht ganz so öffentlich, aber ja, sie haben Karten von diesen ganzen ‚scheiß Gräbern‘.“
„Das mit dem Labyrinth hast du jetzt gekonnt ignoriert oder ist der Begriff zu schwer für dich?“
Aiden baute sich vor Krenare auf. „Sag das nochmal!“
Vargas verdrehte die Augen. Er bekam Kopfschmerzen von dem Geschrei und reduzierte schnell die Schallwahrnehmung.
Krenare ging in Kampfstellung. „Komm doch, du verlierst eh.“
„Das werden wir ja sehen!“ Aiden machte sich bereit für den Angriff.
„Du hast schon fast jedes Mal verloren, wenn du gegen sie gekämpft hast, Aiden,“ kommentierte Nizara, während sie die Lampe drehte, um ein verdächtiges Relief besser auszuleuchten.
„Genaugenommen 37 mal,“ flüsterte Vargas ohne sich umzudrehen und mit der Sicherheit, dass nur Ni ihn hören würde.
„Hab ich nicht!“
„37 mal von 50,“ warf Nizara trocken ein und tastete das Relief ab.
Krenare schaute von Ni zu Aiden und konnte ihr Lachen nicht mehr zurückhalten. Aiden brüllte und hieb nach der Sith, welche elegant auswich.
„Das ist dein Problem, Aiden,“ kommentierte Ni grinsend, „du triffst sie einfach nicht. Sie ist zu flink für dich.“
„Ach, und du kannst das beurteilen? Du weißt nicht mal, wie rum du dein Schwert halten musst.“
„Exakt, genau deshalb bin ich in der Lage, ein absolut objektives Urteil abzugeben.“
Aiden öffnete den Mund, schaute etwas ratlos und schloss ihn wieder.
Die Sith wischte sich die Tränen aus den Augen, klopfte dem großen Mann auf die Schulter und schaffte es zwischen den Lachern zu sprechen: „Lass gut sein, Aiden. Du kannst dir in den nächsten Stunden eine passende Antwort überlegen.“
Der Rattataki zog die Brauen zusammen und verschränkte trotzig die Arme, das Trainingsschwert noch immer fest umschlossen.
„Es ist nicht das Relief,“ raunte Vargas Ni zu, „hier.“ Er deutete auf eine Stelle darunter. „Ich komme mit meinen Fingern nicht in diese Vertiefung.“
Nizara widmete ihre volle Aufmerksamkeit wieder der Geheimtür. Sie tastete mit ihren schlanken Fingern die Vertiefung unterhalb des Reliefs ab, konnte aber keinen Mechanismus ausmachen. Tief einatmend schloss sie die Augen, ließ ihre Hand auf der Vertiefung und streckte ihre Sinne aus.
Ein Mechanismus in der Wand.
Sie spürte, wie Vargas geistige Finger sich zu ihr gesellten. Zusammen zogen sie an dem kleinen Ring.
Eine Erschütterung ging durch die Wand, als Teile der Verzierung zur Seite glitten und einen Gang offenbarten, dessen Beleuchtung sich in diesem Moment aktivierte.
Vargas passte seine Schallwahrnehmung wieder an. „Der Mechanismus war in der Wand und nur durch die Macht zu betätigen,“ erklärte er Krenare und Aiden, die überrascht einen Schritt zurückgetreten waren.
Nizara verstaute den Leuchtglobus wieder in ihrer Tasche.
Krenare schaute sich den Gang an. „Ich gehe vor.“ Aiden zuckte mit den Schultern und folgte ihr. Vargas und Nizara schauten sich an, schmunzelten und folgten der Sith.
Der Gang bog leicht nach links unten ab. Die Luft war abgestanden und stickig. Kein Laut drang an ihre Ohren außer das leise Echo ihrer Schritte.
Und das Klackern der K‘lor Schnecken.
Krenare deutete ihnen an, leise zu sein. Sie schlich lautlos vorwärts, das Schwert kampfbereit in der Hand. Die anderen folgten ihr so unauffällig wie möglich.
Der Gang endete vor einem Geröllberg, der bestens geeignet war, um die K’lor Schnecken in Augenschein zu nehmen. Hinter dem wimmelnden Berg an Schnecken lag der Eingang in den nächsten Raum.
„Na gut, nicht direkt in den Artefaktraum“, stellte Ni enttäuscht fest, „aber wenigstens nah dran.“
„Ha, die bekommen wir doch mit Leichtigkeit klein!“
„Aiden, die K’lor Schnecken sind giftig und in der Überzahl,“ raunte Vargas dem Ratattaki zu, „vielleicht solltest du das Wort ‚Taktik‘ doch noch in dein Vokabular aufnehmen.“
Aiden schaute den stämmigen Menschen pikiert an. „Ich bin nicht so blöde, da direkt hineinzustürmen…“
„Das sah aber fast so aus,“ kommentierte die Sith und zog mit ihrer rechten Hand einen Dolch.
Ein Salzstreuer schwebte in Richtung einer K’lor Schnecke.
Drei Köpfe drehen sich zu Nizara um.
„Ni, was…?“ ranzte Aiden sie an.
„Pssst, ich muss mich konzentrieren,“ wisperte sie zurück.
Der Salzstreuer kam über der K’lor Schnecke zu stehen. Nizara biss sich konzentriert auf die Unterlippe und salzte die Schnecke ein.
Fassungslos starrten die anderen abwechselnd auf die Menschenfrau, den Salzstreuer und die Schnecke.
Der Salzstreuer schwebte zurück in Nizaras Hand. Gebannt beobachtete sie die wurmähnliche Kreatur.
„Ni, was bei Marka Ragnos Gebeinen soll der Scheiß?“ Aiden klang ziemlich angespannt.
„Meine Oma hat immer die Schnecken eingesalzen, damit sie nicht ins Gemüsebeet gehen.“
Aiden starrte sie an, während er krampfhaft überlegte, ob sie ihn verspottete oder es ernst meinte.
Nizara widmete ihre Aufmerksamkeit wieder der K’lor Schnecke. Sie hatten keinen Chitinpanzer, von daher sollte es theoretisch funktionieren. Selbstverständlich hatte sie kein ordinäres Salz verwendet, sondern noch einige Komponenten hinzugefügt.
„Es klappt,“ hauchte Krenare überrascht und stieß Aiden an. „Schau!“
Die Schnecke zuckte und versuchte, das feine Pulver von ihrem Körper zu bekommen. Das Tier rannte aufgeregt im Raum umher und scheuchte dabei die anderen Schnecken auf. Schließlich zuckte es noch ein paar Mal und fiel auf den Rücken. Seine Artgenossen zögerten nicht lange und nutzen ihre Chance auf eine proteinreiche Mahlzeit.
Vargas schüttelte den Kopf. „Du hast Ideen.“ Nizara grinste. „Und offenbar eine schlaue Oma.“
Nachdem sie ihren Artgenossen gefressen hatten, wollten die Schnecken mehr. 9 K’lor Schnecken drehten sich unisono um und rannten auf die Akolythen zu.
„Na, ich hoffe, du hast genug Salz eingepackt,“ scherzte Krenare und sicherte ihren Stand auf dem Geröll.
„Uh, so war das jetzt nicht gedacht…“ stotterte Ni nervös.
Vargas zog sein Trainingsschwert. „Keine Panik, wir lenken sie ab und du hast alle Zeit der Welt, sie einzusalzen.“
Aiden starrte Vargas an. Sie kannten sich seit Kindesalter und trotzdem wusste er immer noch nicht, wann der Kerl einen Scherz machte und wann er es ernst meinte.
„Nicht zur Salzsäule erstarren, Aiden,“ meinte Vargas als er ebenfalls auf den Geröllberg stieg.
Aiden sprang neben Vargas auf das Geröll, wobei er darauf achtete, vor ihm zu stehen. „Ich hasse dich.“
Nizara fragte sich, wie die anderen in Anbetracht 9 hungriger, heraneilender K’lor Schnecken so entspannt bleiben konnten. Sie umfasste fest den Salzstreuer, ignorierte ihr Trainingsschwert und trat hinter die kampfbereiten Krieger.
Die Schnecken hatten die drei kaum erreicht, als Aiden der ersten auch schon brüllend entgegensprang. Vargas hasste dieses chaotische Vorgehen, aber Aiden eine Taktik erklären zu wollen, war, nun, eher würde ein Hutte einen Marathon laufen.
Krenare schaute ihn an. „So wie bei diesen Käfern?“
Vargas nickte nur.
Als die drei Kämpfer beschäftigt waren, schwebte der Salzstreuer wieder los und verrichtete seine Aufgabe. Zu Nizaras Schrecken war er nach nur einer weiteren Schnecke leer. Sie holte ihn zurück und stopfte ihn schnell in die Tasche.
Krenare wirbelte so schnell zwischen den Schnecken umher, dass sie zu fliegen schien, während Vargas die abgelenkten Viecher tranchierte.
Aiden schlug wie ein Berserker auf alles, was nach K’lor Schnecke aussah.
Zwei von Zehn war doch eigentlich gar nicht so schlecht, versuchte Nizara sich aufzumuntern.
Sie konzentrierte sich, sammelte ihren Frust über die immer unterirdisch mies laufenden Trainingskämpfe, ihre Angst (von der war grade ziemlich viel vorhanden), ihre Sorgen, es nicht zu schaffen und packte einen Ball aus Wut zusammen. Angefeuert von den Emotionen flammte die Dunkle Seite auf. Sie nahm die Energie, formte sie zu einer Kugel und transportierte sie zu ihren Händen.
Sie musste es nur einmal schaffen. Das konnte doch nicht so schwer sein. Bei den anderen sah alles immer so leicht aus und sie schaffte noch nicht mal einen verdammten Treffer beim Training. Das war so frustrierend.
Nein. Wut. Sie musste Wut daraus machen.
Und sie machte Wut daraus.
Zwischen ihren Fingern manifestierten sich die elektrischen Ladungen der Machtblitze. Nizara öffnete die Augen, ging vor das Geröll und streckte ihre Hände zu den Schnecken aus.
Mit einem Mal entlud sie alle Emotionen der vielen vergangenen Monate in einen gleißenden Blitz, der die erste Schnecke in knisternde Energie badete und einen verkohlten, stinkenden Schleimberg übrig ließ. Die Ladung teilte sich auf, traf eine zweite Schnecke, welche zuckend zusammenbrach und verebbte schließlich, nachdem eine weitere Schnecke geschockt wurde.
Nizara starrte mit offenem Mund auf die Szenerie. Krenare und Aiden starrten Nizara an.
Vargas hieb die geschockte Schnecke noch schnell in zwei Teile, dann zwinkerte er ihr anerkennend zu.
„Ey, und das machst du erst jetzt!?“ Triefend vor Schneckenschleim stapfte Aiden auf sie zu. Ein pratschendes Geräusch erklang bei jedem seiner Schritte.
„Äh, nun, also….“ Nizara schaute perplex auf ihre Hände und die verkohlten Überreste. „JA! Whohooo!“ Sie hüpfte kurz hoch. „Ja! Ja! Ja!“
Krenare schüttelte Schleim und K’lor Schneckenreste von ihren Waffen. Anerkennend nickte sie Nizara zu. „Siehst du? Klappt doch. Dein letzter war ja nur Zunder dagegen und jetzt direkt als Kettenblitz. Wow!“
Vargas machte sein Schwert sauber, blickte zu ihr, „Klasse,“ und schaute angeekelt, als der Schleim an seinen Händen kleben blieb und Fäden zog.
Aiden drehte sich zu Krenare. „Sie hat diesen Kettenblitz schon mal gemacht?“
„Nein, du Klotz,“ verdrehte Krenare die Augen, „Sie hat einen Machtblitz gemacht, aber der war bei weitem nicht so intensiv.“
Nizara hüpfte an allen vorbei und fing an, sich mit dem Trainingsschwert durch die Schnecke zu sägen.
„Äh, Ni?“ Aiden sah besorgt aus. „Kann es sein, dass der Kettenblitz so geistige Schäden macht?“ fragte er leise die beiden anderen.
„Bei dir bestimmt…“ murmelte die Sith.
Vargas gesellte sich zu Nizara ohne das Risiko eines Schleimtreffers einzugehen. „Brauchst du Hilfe?“
„Nein, Danke. Ich suche die Radula. Die K’lor Schnecken gehören ja eigentlich zu den Weichtieren, obwohl sie Klauen und Zähne entwickelt haben und die Raspelzunge ist das Merkmal der Mollusca. Also müssten sie eigentlich eine haben.“ Sie zog sich einen langen Handschuh an und angelte in dem Körper der Schnecke herum. „Mich beschäftigt diese Frage schon was länger und ich dachte, ich nutze jetzt die Gelegenheit.“
Aiden sah nun wirklich besorgt aus. „Vielleicht sollten wir sie mal kurz beim MedCenter vorbeibringen, wenn wir zurück sind?“ flüsterte er Vargas ins Ohr.
„Nein, ich denke, es ist alles in Ordnung.“
„Ah, ja, klar. Total. Voll in Ordnung bis zur Schulter in einer dieser verdammten Schnecken zu stecken und eine Zunge zu suchen?! Ey, Was ist los mit euch?“
„Aiden, nur weil…“
„Ha!“ Triumphierend hielt Nizara die Radula in die Höhe.
„Können wir jetzt weiter, Kinders?“ Krenare stand angelehnt an den Torbogen zum nächsten Raum.
Nizara rutschte von der Schnecke runter, verstaute die Raspelzunge in einem Probengefäß und entsorgte den verschleimten Handschuh. „Bin bereit.“
Sie gingen in den nächsten Raum. Von dort aus konnten sie den Artefaktraum sehen. Vorsichtig bewegten sie sich in Richtung des Torbogens, als ein Gitter in den Schatten hochgezogen wurde.
Aiden war sofort kampfbereit. „Ich wusste, da kommt noch was,“ knurrte er.
Krenare und Vargas zogen ihre Waffen. Vargas schob Nizara hinter sich.
Ein Hssiss kroch aus den Schatten, züngelte und zischte angriffslustig, als er die Eindringlinge wahrnahm.
„Ni, geh das Artefakt holen,“ flüsterte Vargas ihr zu, „wir kümmern uns um den hier.“
„Ist gut.“ Nizara schlich vorsichtig Richtung Torbogen.
Sie hörte, wie hinter ihr der Kampf losging, als sie den Raum mit dem Artefakt, welches zu bergen sie als Auftrag bekommen hatten, betrat.
Der Raum war kreisförmig, in 24 Platten unterteilt, deren Spitzen sich alle in der Mitte trafen, wie Kuchenstücke. Auf jeder Platte befand sich ein Symbol. Der schnellste Weg zum Artefakt, welches auf einer Säule am Ende des Raums gegenüber des Eingangs stand, war durch die Mitte. Am äußeren Ende der Kuchenplatte, in etwa einem Meter Abstand zur Wand, standen Säulen und trennten damit eine Art Gang ab.
Nizara dachte sich, wenn sie eine Falle einbauen müsste, würde sie diese möglichst in dem offensichtlichen Weg platzieren. Somit blieb noch der Gang. Sie schaute sich die Symbole an, doch sie entsprachen keiner ihr bekannten Sprache. Nizara starrte eine Weile auf den Gang, drehte sich um und schaute in den Vorraum. Es lag kein Staub in dem Artefaktraum. Gedankenvoll setzte sie ihre Tasche ab und kramte darin, bis sie den leeren Salzstreuer herausfischte. Im Raum davor lag reichlich Staub und Sand.
Während der Kampf noch tobte, schlich sie in den Raum und füllte etwas feinen Sand in den Salzstreuer. Aiden brüllte so laut beim Kämpfen, dass wahrscheinlich nun jeder weitere Akolyth wusste, wo sie waren.
Am Rande des Säulengangs stehend, ließ Nizara den Salzstreuer den feinen Sand über den Gang streuen. Feine Lichtstrahlen wurden sichtbar. Sie hing sich ihre Tasche um und betrat die Platten, wobei sie genau achtete, die Lichtstrahlen nicht zu berühren.
Ohne Zwischenfall erreichte sie die Säule. Das Artefakt, eine Art Medaillon, ruhte auf zwei runden Plattformen mit viel zu großen Abstanden zueinander. Vargas könnte jetzt wahrscheinlich den Mechanismus ausschalten, aber er war beschäftigt. Zwar ließen sich gefühlt 80% der Aufgaben mit Machtblitzen lösen (Funken reichten auch), aber das hier wirkte anders.
Regungslos blickte Ni auf die Plattformen mit dem Medaillon.
Seufzend holte sie die Radula aus dem Probengefäß. Mit einem bedauernden Blick hob Nizara das Medaillon mit Telekinese hoch und schob gleichzeitig die Radula auf dessen Platz.
Sie hielt die Luft an.
Nichts geschah.
Langsam ließ sie die Luft aus ihren Lungen entweichen und wagte es, sich etwas zu entspannen.
Sie stopfte das Amulett in ihre Tasche, warf ihrer Radula noch einen letzten traurigen Blick zu und staubte erneut den Gang ein. Der vorherige Staub war bereits nicht mehr zu sehen. Ohne die Lichtstrahlen zu berühren, erreichte Nizara den Bogen.
Der Hssiss war kurz vor dem Ende, ihre Freunde allerdings auch. Selbst Aiden war ruhiger geworden.
Eine Gruppe von Akolythen rannte an den vieren vorbei in den Artefaktraum.
„Ha, das wird wohl nix,“ rief Heran ihnen gehässig zu. „Und Papa kann nix dagegen tun!“
Vargas verdrehte die Augen und hackte dem Vieh mit einem mächtigen Hieb den Kopf ab.
Krenare riss die Augen auf. „Das nächste Mal,“ keuchte sie, „erwähne ich einfach deine Eltern und der Kampf ist in 5 sec vorbei.“
Vargas zog eine Grimasse. Aiden lachte.
Nizara nickte den anderen zu. „Wir können,“ flüsterte sie.
Grinsend verließen die vier Akolythen das Grab.
Epilog
Heran und seine Kumpane überreichten dem Ausbilder stolz das Artefakt.
„Wollt ihr mich verarschen?“ keifte der Ausbilder.
Vargas und Nizara fielen vor Lachen fast vom Bett.
„Die Idee mit dem Überwachungsdroiden war genial,“ brachte sie mühsam hervor.
„Die Idee mit deiner Schneckenzunge war genial, Ni.“
„Noch Popcorn?“