Heute
Herstellung eines Artefakts zur Verschleierung der Machtaura
Halsreif.
Unscheinbar. Ein Alltagsgegenstand.
Ein Halsreif.
Zwangsläufig müsste sie ihn wachsen lassen, da ihr kein geeignetes Metall zur Verfügung stand und sie aktuell keinen Bedarf auf eine Reise hatte. Gut, dass sie die passende Basis geborgen hatte.
Nizar stellte sich auf ihren Platz in dem Pentagon, den Stab mit beiden Händen haltend vor sich. Erfüllt von Rachegedanken schloss sie die Augen und schickte ihren Willen in die Obelisken, die sofort von der Macht erfüllt aufleuchteten und summend erwachten. Das Glühen der Kapillaren breitete sich, ihrem Wilen folgend, im Pentagon aus, lief auf die Splitter in den Mitte zu, umkreiste sie und strömte auf Nizars Position zu, wo die beiden Linien sich trafen und vereinten. Der Kristall ihres Stabes flammte auf.
Sie hob die Splitter über das Zentrum des Pentagons und ließ sie kreisen. Ihr Geist reiste durch jeden Splitter, beurteilte deren Struktur und sortierte sie entsprechend der zugehörigen Symbole – zumindest soweit deren Aurenschatten noch erkennbar waren. Es begannen sich Gruppen zu bilden, die umeinander gemeinsam um die Mitte kreisten.
Als alle Splitter einer Gruppe zugeordnet waren, holte Nizar die erste Gruppe in die Mitte – die anderen kreisten weiterhin im stabilen Orbit – und begann, sie Kraft ihrer Gedanken mit der Dunklen Seite, zu der Basis des Halsreifs zu formen.
Unendlich langsam verschmolzen die einzelnen Splitter und formten ein feines Band. Eine zweite Gruppe kam hinzu, welche Nizar mit der Basis verband. Das Innere durchzogen von feinen Linien und Symbolen zum Einfangen der Machtaura, wuchsen sie mit jedem neuen Splitter, der sich mit dem Band vereinte. Sie gravierte die Fanglinien mit der Macht in den Reif ein, verband sie zu einem Labyrinth, in dem sich die Aura verfangen würde.
So sehr, wie Nizar den Zweck und den Grund dieses Gegenstandes verabscheute, umso mehr genoss sie die Erschaffung, das Erstellen der Irrgänge zwischen den Symbolen, den Fluss der Macht, der sich mit jedem Mikrometer verstärkte. Jede weitere Gruppe gab dem Konstrukt mehr Volumen, bis schließlich ein durchsichtiger, dünner Reif im Zentrum des Pentagons schwebte.
Nizar ließ die Obelisken wieder in ihren Schlaf fallen, das Leuchten erlosch und das Summen verebbte. Sie streckte ihre rechte Hand vor, holte den Reif zu sich und begutachtete ihn. Die Macht verfing sich in seinen Windungen wie Alpträume im Traumfänger. Noch konnte sie ein- und ausgehen, wie es ihr beliebte, doch mit dem Setzen des Endkristalls würde sie den Ausgang blockieren.
Doch dies musste warten, bis sie sich ausgeruht hatte.
Sie nahm den zierlichen Reif mit und verließ den Ritualraum.
Nach einem erholsamen Schlaf und einem Sklaven später, war Nizar bereit, den Reif zu vollenden.
Nizar stellte sich gegenüber den beiden Obelisken – es fehlten immer noch drei, wie sie missmutig registrierte – und ließ den Reif in der Mitte des Pentagons schweben. Die Augen geschlossen fasste sie ihren Stab mit beiden Händen.
Ihr Geist holte die Obelisken aus ihrer Ruhe. Angeleitet von der Alchemistin sandten die Steine ihre Energie summend in das Labyrinth an Adern des Pentagons. Das Glühen floss von zwei Seiten zur Mitte, umkreiste den Reif in einem komplizierten Mandala aus rotem Licht und bildete einen Kreis um sie, der sich weiter verästelte. Zuletzt flammte der äußere Ring des Pentagons auf, verbunden durch hunderte kleiner Linien mit dem Ring, der Nizar umgab.
Jetzt kam der wirklich schwere Part.
Der Kern der Aura Abschirmung. Vielleicht hätte sie sich auch mit einem einfacheren Modell zufrieden geben können, aber sie wollte eine Abschirmung, welche sie je nach Bedarf aktivieren und deaktivieren konnte.
Aus dem Zentrum des Reifs, in dem alle Linien mündeten, formte sie einen Kern. Der Mechanismus musste sensibel genug sein, damit sie ihn auch bei aktiver Aura Unterdrückung deaktivieren konnte, wenn ihr Zugang zur Macht reduziert war und dennoch so gut versteckt, dass niemand anders von außen heran kam.
Quälend langsam bildete sich der Kern heraus, während eine schiere unendliche Anzahl an Linien darauf wartete, in der Art einer Spirale zu ihrem Ende zu kommen. Nizar drehte eine Fanglinie nach der anderen zu einer filigranen Schnecke, welche ins Leere auf einen Punkt zulief, diesen aber nie erreichte. Um das Zentrum der zahlreichen Spiralen legte sie einen Schutz, der sich als Erhebung auf dem Reif abzeichnen würde und dem Betrachtenden wie ein dekorativer Stein erscheinen würde.
Als die letzte Linie in dem Kern verankert war, atmete Nizar in ihren Gedanken erleichtert aus. Sie entließ die Obelisken aus ihrem Dienst und das flammende Leuchten der Adern erlosch ebenso wie ihr Lied. Den Raum in Dunkelheit gehüllt, spendete nur ihr Stab noch ein flackerndes, rotes Licht, welches von den Facetten des kristallenen Reifs in der Mitte des Pentagons reflektiert wurde.
Nizar ließ den Reif zu sich schweben und umfasste ihn mit der freien Hand. Er sah zerbrechlich aus, doch selbst die Landekufen eines Jägers würden ihn nicht zerstören können. Der Reif war fast unsichtbar in der Macht, wie ein normales Schmuckstück. Nur jemand, der sich sehr gut auskannte, würde die Dunkle Seite seiner Herstellung erspüren können.
Nizar musste ihn nicht testen; sie wusste, es würde funktionieren. Schließlich hatte sie ihn hergestellt.
Langsam schlurfte sie aus ihrem Ritualraum und ließ sich in den Sessel fallen. Ihr chronisch besorgter Droide wartete wohl auf eine Antwort, doch das Rauschen in ihren Ohren war zu stark, um ihn zu verstehen. Sie wedelte ihn mit zitternder Hand weg und schloss müde die Augen.
Addendum
Die Herstellung des Reifs hat insgesamt 6 Tage reine Erschaffungszeit betragen. Erholungszeiten werden separat gelistet (und sind definitiv zu lang).
Ich war mal schneller, aber da stand mir auch ein vollständig eingerichteter Ritualraum zur Verfügung.