Kapitel II

Die Vorteile der Schreckenssaat in der Verstärkung der Dunklen Seite

Die Saat zwingt niemanden, etwas gegen seine Ansichten zu tun. Sie offenbart nur das, was längst in einem ist.

Der Mechanismus der psychologischen

Machtkonvergenz

Die Saat ist ein hervorragender Verstärker für die Dunkle Seite. Ein Resonator für Schuld, Wut, Ohnmacht und Angst.

Wo andere Angst als störend empfinden mögen, habe ich sie destilliert, konzentriert bis sie als reine Essenz direkt in das Gehirn kriecht und dort das tut, was sie am besten kann: Erinnern.

Dies vollbringt die Saat in reinster Form. Sie dringt nicht nur durch das Gewebe, sondern durch das Narrativ, das das Subjekt über sich selbst erzählt.
Sie krümmt Gedanken, zerfrisst Selbstbilder und ersetzt sie durch den geistigen Zerfall. Wenn die Gedanken sich nicht mehr steuern lassen, die Panik das Ich zerfrisst und die schlimmsten Ängste wahr werden; wenn der Geist nicht mehr zwischen Realität und Wahn unterscheiden kann, reduziert wird auf das, was übrigbleibt, dann ist die Saat verstanden.

Die Angst, die die Saat auslöst, ist nicht irrational, sondern erstaunlich taktisch.
Sie baut keinen Widerstand auf. Sie senkt auf eine penetrante Art die inneren Barrieren, die so viele Lebewesen an ihrer armseligen Moral festhalten lassen.

Die Saat flüstert Euch nichts ein, was Ihr nicht seid. Im Gegenteil, sie lässt Euch genau sehen, hören, riechen, spüren, was in Euch ist. Sie holt hervor, was Ihr nicht wahrhaben wollt. Sie öffnet und befreit. Befreit von jedweder Scham, Schuld und Moral.

Praktischer Einsatz zur Verdeutlichung der Wirkungsweise

Fallstudie an Subjekt P21

Klassifikation: Mensch, männlich, 16 Jahre, ursprünglich zugewiesen an Meister Ralvorni Hush’ranrii (verstorben)

Ziel: Untersuchung der psychoneuralen Wirkung der modifizierten Schreckenssaat bei einem empathischen, juvenilen Machtnutzer mit enger Moral

Tag 0 Beginn

Tag 1 Exposition 

P21, mit seiner rechten Hand zu diskutieren. Anmerkung: rechte Hand ist die Waffenhand

Tag 2

P21 glaubt den Aussagen der rechten Hand mehr als seinen. Anmerkung: die Stimme der rechten Hand zeigt einen subtil herablassenden Unterton

Tag 3

P21 trennt sich mit dem Brotmesser die rechte Hand ab, damit sie ihm nicht andauernd widerspricht. Subjekt redet dabei laut über Bevormundung und persönliche Freiheit. Nach Versorgung der Wunde, überreicht P21 mir mit Tränen in den Augen seine rechte Hand und bedankt sich mit zitternder Stimme.

Und irgendwo in dieser Zerrüttung wird die Dunkle Seite geboren.

Ich habe ihn dennoch aus hygienischen Gründen entsorgt.

Fallstudie an Subjekt P43

Klassifikation: Jedi-Schüler, menschlich, 17 Jahre, ursprünglich zugewiesen an Meisterin Shal Varuun (verstorben)

Ziel: Untersuchung der psychoneuralen Wirkung der modifizierten Schreckenssaat bei einem empathischen, juvenilen Machtnutzer mit Schuldprägung

Tag 0 Beginn

  • Zustand: Ruhig, widerständig, ausgeprägtes Helfersyndrom.
  • Zitat: „Ich werde euch nicht hassen. Ich weiß, dass Ihr verletzt seid.“
  • Anmerkung: Bemerkenswerte Einstellung seinem Feind gegenüber. Vermutlich wäre er nicht mehr so naiv, wenn er gesehen hätte, was ich mit seiner Meisterin gemacht habe.

Tag 1 Exposition

  • P43 zeigt erste Anzeichen neuronaler Überlastung. Er wiederholt stundenlang ein altes Meditationsmantra. Beginnt nach 9 h zu stottern.
  • Zitat: „Der… der… Weg des… Lichts ist… ist…“
  • Unterbrechung durch hyperventilatives Weinen.

Tag 2 Kognitive Fragmentierung

  • P43 beginnt, mit sich selbst zu diskutieren und verwendet dabei zwei unterschiedliche Stimmen:
    • Stimme A: zögerlich, hell, flehend.
    • Stimme B: ruhig, verachtend.
  • Erster Selbstverletzungsversuch mit dem eigenen Kettenanhänger.
  • Ernstzunehmender Fortschritt.

Tag 3 Der Wendepunkt

  • Subjekt P43 beginnt, einen Rhythmus zu schlagen. Zunächst mit den Fingern gegen die Wand, dann mit den Fäusten und schließlich mit der Stirn. Dabei rezitiert es eine – vermutliche – Eigenkomposition, ohne aus dem Takt zu kommen.

Tag 4 Selbstauflösung

  • P43 wechselt permanent zwischen hysterischem Rezitieren gekoppelt mit Hyperaktivität und völliger Reglosigkeit. Stimmen A rezitiert. Stimme B kritisiert.
  • Selbstverletzung an Extremitäten und Oberkörper mit Fingern und Zähnen.

Tag 5 Realitätsbruch

  • P43 verfällt in ein hyperaktives Bewegungsmuster mit rhythmischen Elementen und gibt Geräusche von sich, die Fragmente dies Liedes von Tag 3 enthalten. Stimme B rezitiert.
  • Selbstverletzung an Extremitäten und Oberkörper durch ausdauerndes Kauen.

 Tag 6 Systemversagen

  • Nach 48 h Hyperaktivität ohne Pause, lautem, stetig chaotischer werdendem rezitieren und zahlreichen blutenden Wunden, legt sich das Subjekt abrupt auf den Boden und schweigt.
  • Ableben: Herzstillstand

Fazit

Subjekt P43 durchlief alle sechs Stufen der Schreckenssaat-Korruption in 6 Tagen:

    • Ablehnung
    • Zweifel
    • Selbstangriff
    • Realitätsbruch
    • Identitätsfusion
    • Systemversagen

Ausblick

Ich sehe starke Vorteile der Saat in der Nutzung für die Macht nach entsprechender, bedarfsorientierter Modifikation

  • Beschleunigte Verbindung der Subjekte zur Dunklen Seite durch Dauerstress. Je stärker das sympathische Nervensystem aktiviert ist, desto schneller fällt die Barriere zwischen Verlangen und Handlung. Resultat: Jedi liefern mehr Energie für alchemistische Zwecke.
    Anmerkung: Bei etablierten Anwendern der Dunklen Seite ist der Zugewinn an psychoneuraler Machtenergie beachtlich.
  • Öffnet tiefe Zugänge zum traumabasierten Machtzugriff. Wer genug leidet, spürt alles. Panik ist eine starke Emotion und öffnet dem Geist die Tore.
  • Führt bei empfindlichen Machtnutzern zu entgleisender Selbstverstärkung. Der Ausbruch im Tempel war sowohl tragisch als auch ästhetisch. Ich denke, die Reste findet niemand. Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass jemand diesen wandelnden Nervenzusammenbruch vermisst.
  • Ermöglicht temporäre Persönlichkeitsverformung zur Informationsgewinnung. Informationsextraktion wird mit der entsprechenden  Konstellation fast schon zu einfach. Das Subjekt glaubt, es sei sein eigener Feind und erzählt mir bereitwillig seine Geheimnisse.
    Anmerkung: Je nach vorhandener psychischer Stabilität ist das Subjekt anschließend nicht mehr verwendbar.
  • Katalysiert Instabilität bei Gruppenbindungen. Innerhalb von 16 Stunden zerstreitet sich jede bisher untersuchte Jedi-Gruppe mit mehr als 3 Mitgliedern bis zum Gewaltausbruch.