Kapitel I

Die Suche

Der Anfang. 

Meine Reise nach

Oricon

Oricon, Corva Sektor.

Einst Heimat von Darth Vitrus und seinen mit Sith Alchemie erschaffenen Geschöpfen. Verloren. Gefunden von den Schreckensmeistern und nachhaltig kultiviert. Rau, abweisend, mit dem subtilen Nachgeschmack von Nervengift und Bedauern.
Die meisten meiden Oricon. Andere besuchen es. Manche bleiben (mehr oder weniger).

Was für die galaktische Gemeinschaft als Mahnmal des Wahnsinns, des Leidens und permanenter neuraler Dissoziation gilt, war für mich die pragmatische Lösung einer selbst erschaffenen Misere.

Die Chancen lagen gut, dass die Streitkräfte nicht die Nerven gehabt hatten, die Schreckensfestung zu säubern, wie es hätte getan werden sollen.

Schon im Orbit begann das Flüstern. Auf Höhe der Wolken erklang ein Chor in meinem Geist. Ich landete am Fuße der Schreckensfestung.
Welch Kakophonie der Derealisation! Es war, als würde ich in einen Raum treten, den ich selbst verlassen hatte und dort die Gedanken finden, die ich nie gedacht haben wollte.

Die Luft war dick wie Alpträume in Formaldehyd. Warm, aber nicht lebendig, eher wie ein fauliger Wind, der an meinem Genick klebte und mir meine schlimmsten Ängste einflüsterte.

War die Stille Wirklichkeit? Keine Monster, keine verzerrten blutübersäten Bestien mit Krallen so lang wie mein Lichtschwert. Nur Stille. Erinnerungen, die nicht die meinen waren – oder doch?

Und dieser Himmel; eine ewige Migräne aus Violett und Grollen, als hätte die Macht beschlossen, sich selbst zu sezieren.

Die Macht des Schreckens lebte überall, in der Verhöhnung der Realität. Was hatte dieser wandelnde Nervenzusammenbruch geschrieben? „Du denkst, du gehst geradeaus, aber der Planet will, dass du im Kreis gehst und beim dritten Durchgang steht dort dein eigenes Grab.“

Oricon ist kein Ort. Es ist ein Gespräch zwischen deinem Ich und allem, was es erfolgreich verdrängt hat. Es ist der Moment, in dem ein Verstand fragt, was er ist und ob er jemals war. 
Genau das hatte ich mich auch im Moment meines Erwachens gefragt.

In der Schreckensfestung war es erstaunlich ruhig. Leere. Physikalische Leere, keine psychische. Auf letzterer war sie überbevölkert.

Folgen der Verwüstung waren überall zu sehen. Zerbrochene Stelen, zerstörte Statuen und verbrannter Stein. Vertiefungen in Reliefs, in denen meine Zweifel sofort einziehen wollten. Schwarzes trockenes Blut impressionistisch verteilt.

Oben oder unten. Eine Wahl. Sehr symbolisch. Die Spuren der Verwüstung hinter mir lassend, ging ich nach unten.

So schlicht, dass es leicht zu übersehen war. Ein Tor. Ein völlig intaktes Tor.

Es wartete.

Es lauerte.

Es war offen.

In diesem Augenblick hörte ich Darth Xeris Tadel so deutlich, als hätte sie vor mir gestanden. Selbstverständlich tat sie das nicht; sie hätte diese verfluchte Welt niemals betreten. Ich öffnete das Tor mit jener Art Selbstbewusstsein, die nur Sith besitzen, die sich sicher sind, dass sie entweder überleben oder ein interessanter Eintrag in dem Großen Archiv werden. 
Beides akzeptabel.

Die Halle war leer. Nicht, als wäre sie verlassen worden oder als wäre keine Einrichtung vorhanden, sondern, als würde sie alles ablehnen, was nicht Schrecken ist. Ich hatte das Gefühl, mein Körper wurde hinter meinem Geist nachgezogen. Als müsste Oricon entscheiden, ob ich hier sein darf.

Sie lag in ihrer Kammer. Kein Gefäß, kein Behälter. Nur ein Spalt in der Realität, gehalten von Energiefeldern und Formeln, an die sich heute niemand mehr traute, auch nur zu denken.

Die Schreckenssaat.

Wissenschaftlich gesehen ein aus der Dunklen Seite und Sith Alchemie geschaffener entropischer Energieorganismus (vergl. Machtvektor) mit der charmanten Angewohnheit, alles, was man vergessen möchte in hundertfacher Verstärkung an die Oberfläche zu zerren. Sie wurde von weniger ambitionierten Sith als unkontrollierbar abgetan, als biologische Anomalie und parasitäre Abscheulichkeit bezeichnet.

Sie war wunderschön.

Ich kann kaum beschreiben, wie der erste Kontakt war. 
Was passiert, wenn ich eine Hand in einen Gedanken halte? Kein Schmerz. Kein Feuer. Nur Stille, Echo, ein Spiegel. Die Stille, die bleibt, wenn Hoffnung gegangen ist und Angst noch nicht angefangen hat. Ein Pulsschlag in mir, durch mich. Ein säuregetränktes Bewusstsein, das nicht anklopft, sondern die Türe eintritt (und die Wand gleich mit). Es wollte nicht mit mir denken, es wollte mich denken. Meine Ängste, meine Sorgen, meine Zweifel. Meine Alpträume, Gefühle und Erinnerungen im Licht des Bewusstseins, dort, wo sie nicht hingehörten.
Dort, wo die Schreie Realität werden, wo das Selbst weichgekocht wird, bis es nur noch Wahn ist.

So viel Macht.

So viel Energie.

Es war perfekt!

Was mich an ihr fasziniert, ist nicht die Gewalt, die sie hervorruft.
Es ist ihre Eleganz. Ihre geduldige, lauernde Art, sich in ein Nervensystem einzuflechten wie ein altes Kindheitstrauma. Völlig lautlos, bis der Wirt plötzlich sein eigenes Spiegelbild bekämpft.
Sie wird so unterschätzt. Sie ist so viel mehr als die Abscheulichkeit, für die sie alle halten.

Sie wird mein Werkzeug werden.

Meine Lösung.

Meine versteckte Signatur.

Und mit ihr bringe ich Welten zum Schreien.